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Volksinitiative gegen die Abzockerei

Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber ich rege mich jedesmal auf, wenn ich höre, dass Herr Topmanager Xy einen Jahreslohn in zweistelliger Millionenhöhe erhält und im selben Jahr hunderte oder gar tausende Angestellte entlassen hatte. Genauso daneben finde ich, dass ein Manager bei seinem Rauswurf eine Millionenabfindung bekommt, obwohl er seinem Unternehmen riesige Verluste beschert hatte. Wo leben wir eigentlich?

Nun wurde die eidgenössische Volksinitiative «gegen die Abzockerei» lanciert. Sehr kurz zusammengefasst geht es um folgende Punkte:

Abgangsentschädigungen, Prämien bei Firmenkäufen und -verkäufen sollen verboten werden.
Die Generalversammlung soll über die höhe der Gehälter sowie über die Boni und Anzahl Mandate ausserhalb des Konzerns entscheiden.

Detaillierte Informationen und Unterschriftenbogen findet ihr hier.

Was meint ihr zu dieser Initiative?
Comments (16)  Permalink

comments

Stef @ 31.10.2006 12:26 CEST
Ich weiss noch nicht, wie ich zu dieser Initiative stehe.

Aber ich finde es erstmal seltsam, dass die Kampagne unter dem Namen einer Firma läuft, welche Pflegeprodukte verkauft. Steht da womöglich mehr eine Werbeidee als ein politisches Anliegen im Vordergrund?
Pri @ 31.10.2006 12:45 CEST
Spielt das denn eine Rolle, falls die Initiative trotzdem eine gute Sache ist?
Stef @ 31.10.2006 13:08 CEST
Nein, ist mir nur aufgefallen.
T.M. @ 31.10.2006 13:15 CEST
Viel wird es nicht bringen, da mache ich mir nicht viel vor, madame Pri. Die Wirtschaft wird wohl kaum gegen sich selbst vorgehen und ein wirklich effektives Mittel zu ethischem Verhalten etablieren. Das käme ja einem Wettbewerbsnachteil gleich. Eine solche Initiative ist gut für ein bisschen multimediales Aufsehen, seht her, die tun was, und sie beruhigt sicher auch viele. Aber sie wird ergebnislos im Sande versickern.

Bisschen düster, meine Sicht, oder? (kommt aus dem Leben)
Pri @ 31.10.2006 14:26 CEST
Abstimmen könnte ja aber nicht nur Wirtschaft und Politik sondern Herr und Frau Schweizer. Ausserdem ist die Initiative eine Möglichkeit, den arroganten Ä****** zu zeigen, dass ihr Verhalten nicht von allen toleriert wird (was den a.Ä. natürlich eh vollkommen schnuppe ist).
T.M. @ 31.10.2006 14:52 CEST
Ja, aber es würde nicht viel passieren. Die Leute würden abstimmen gehen und gleich anschliessend einkaufen fahren und all den Kram kaufen, gegen dessen mit Ä-Worten hinreichend charakterisierten Hersteller sie gerade ihr Kreuzchen gemacht haben.
Pri @ 31.10.2006 15:17 CEST
Mal angenommen, die Initiative käme durch und die Managerlöhne würden auch z.B. auf max. Fr. 2 Mio. festgelgegt. Was würde mit dem «überschüssigen» Geld wohl passieren?
T.M. @ 31.10.2006 16:28 CEST
Es würde mit grosser Sicherheit auf diversen, gutgetarnten schwarzen Konten im Ausland landen. Oder in speziellen firmeninternen Fonds, mit denen dann "Sozialleistungen für Bedürftige" (Reisen in die Karibik, nach Dubai oder sonstwohin) finanziert würden. Oder in Lebensfersicherungen und Altersvorsorgen (für einzelne Manager, versteht sich). Hinsichtlich der Verwendung von Geld ist man da durchaus kreativ.

In Deutschland mogeln Firmen beispielsweise Gewinne an der Steuer vorbei, in dem die Mitarbeiter wertvolle Geschenke bekommen, die nicht versteuert werden müssen, einen Goldbarren meinetwegen, seltene Münzen, einen Dienstwagen für drei Jahre (private Verwendung natürlich inklusive) usw.
T.M. @ 31.10.2006 16:29 CEST
Oh je, Versicherung mit "f" ...

Häuser sind mir noch eingefallen, Immobilien. Die Firma könnte sogar Eigentümer bleiben, der Manager bekommt dann meinetwegen Lebenslanges Wohnrecht zu einer stark verbilligten Miete. Wäre das nichts? :)
Pri @ 31.10.2006 22:15 CEST
Hm, verstehe! Der Chlüder ist und bleibt bei den a.Ä. Die sind anscheinend einfach am längeren Hebel.
cuk @ 02.11.2006 00:47 CEST
naja mal durchrechnen,
die Linke könnte geschlossen dafür sein, ist ja fast ein Weihnachtsgeschenk das ausgerechnet ein Unternehmer so was lanciert. Die Mitte wird abgesehen von ein paar CVP Wählern dagegen sein und das zünglein and der Waage wird wohl die SVP-Basis stellen.
Summa sumarum das hat eine echte Chance
habiwinti @ 02.11.2006 14:56 CEST
Für mich ist bei dieser Initiative der Wegfall des Stimmrechts der Depot- und Organstimmen der wichtigste Punkt. Damit bekommen die an der GV anwesenden Aktionäre und Pensionskassen viel mehr Gewicht. Bis heute haben z.B. ein Grossaktionär mit den von den Banken ausgeübten Depot-und Organstimmen die übrgen Stimmenden weggeputzt.
Pri @ 02.11.2006 15:09 CEST
@cuk: Siehst du das nicht etwas zu rosa? Die SVP wird wohl eher auch dagegen sein und die Linken und Grünen haben allein keine Chance.

@habiwinti: Ja, die Kleinen wurden total überrollt. Es könnte für sie dann auch wieder attraktiver werden, überhaupt an einer GV teilzunehmen und ihre Stimme abzugeben.
cuk @ 02.11.2006 15:33 CEST
@Pri
naja rosa ist übertrieben, bin aber froher Erwartung.
Klar wird die SVP offiziel die Initiave verteufeln und als Dummheit darstellen aber unter ihren Wählern gibtes doch viele "Büezer" die es sich vielleicht überlegen werden. Wie gesagt von denen hängts ab
Pri @ 02.11.2006 15:56 CEST
Ich bin jedenfalls gespannt, wies weitergeht!
jonas @ 20.11.2006 18:50 CEST
moment mal, lest doch den Initiativtext:

***

Die Generalversammlung stimmt jährlich über die
Gesamtsumme aller Vergütungen (Geld und Wert der
Sachleistungen) des Verwaltungsrates, der Geschäftsleitung
und des Beirates ab. Sie wählt jährlich
die Verwaltungsratspräsidentin oder den Verwaltungsratspräsidenten
und einzeln die Mitglieder des
Verwaltungsrates und des Vergütungsausschusses
sowie die unabhängige Stimmrechtsvertreterin oder
den unabhängigen Stimmrechtsvertreter. Die Pensionskassen
stimmen im Interesse ihrer Versicherten
ab und legen offen, wie sie gestimmt haben.

***

Die Initiative wird also keinen "Höchstlohn" festlegen, sondern ganz einfach den Aktionären (=Besitzern) einer Firma die Möglichkeit geben, die Löhne der Manager (=hohe Angestellte) festzulegen. Bisher konnten die Manager nämlich ihre Löhne sozusagen selbst bestimmen: Manager A war für Manager B zuständig und B für A - Manager A erhöhte das Gehalt von B, und B erhöhte als Dank das Gehalt von A. Nächstes Jahr bedankte sich A bei B, indem er dessen Gehalt nochmals erhöhte... etc. Sowas sollte nach der Initiative nicht mehr vorkommen, da dann die Aktionärsversammlung die Löhne bestimmt.

Deshalb: Die Initiative greift am genau richtigen Ort an und wurde von Leuten entworfen, die die Wurzel des Problems wirklich erkannt haben.

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